avc Kamerun
August 01 2025

Fundament der Hoffnung

KAMERUN
Gewalt, Zwangsehe, Prostitution: Frauen in Kamerun fliehen aus diesem Gefängnis. Wo aber sollen sie hin? Und wovon sollen sie leben? Unser Frauenhaus bietet einen Ausweg.

Auf der Baustelle wird fleissig gearbeitet. Mit einfachen Hilfsmitteln vermessen die Arbeiter das Fundament, dann beginnt das Ausheben der Baugrube. Es ist eine schwere Arbeit – und eine willkommene. Denn für viele junge Männer in der Region ist es nicht einfach, überhaupt Beschäftigung zu finden.

Ein neues Zuhause entsteht
Hier wird in den kommenden Jahren ein Zentrum für Frauen entstehen. Simon und Sara, ein Pastorenehepaar aus Österreich, leben seit einem Jahr mit ihren Kindern in Kamerun. Ihre Vision: »Wir träumen von einem christlichen Zentrum, wo Frauen, Kinder und Waisen betreut und im Wort Gottes unterrichtet werden, damit sie Jesus kennenlernen«, erzählen die beiden begeistert.

Junge Frauen – geflohen aus Gewalt, Zwangsehe und Prostitution – werden im Frauenhaus ein temporäres Zuhause finden. Während sie dort sind, erlernen sie Fertigkeiten wie das Nähen, das Coiffeurhandwerk oder auch die Grundlagen für ein Kleinstgewerbe. Ziel ist, dass sie unser Haus nach einer gewissen Zeit wieder verlassen und eigenständig für sich und ihre Kinder sorgen können.

Es geht voran
Die ersten Baufortschritte sind bereits erkennbar: Ein Sicherheitszaun schützt das 2000 Quadratmeter grosse Grundstück, die Wasserversorgung ist installiert. Kürzlich wurden auch das Fundament und die Schutzmauern fertiggestellt. In weiteren Schritten erfolgt der Bau des Erdgeschosses mit sechs Schlafzimmern für Frauen und Kinder. Sobald das provisorische Dach errichtet ist, können die ersten Frauen einziehen. Zu einem späteren Zeitpunkt ist eine zweite Etage geplant, welche den Vollbetrieb des Frauenhauses ermöglicht.

»Die Not der Frauen hat uns bewegt.«

AVCreport: Simon und Sara, ihr seid mit drei Kindern nach Kamerun gezogen. Wieso dieser grosse Schritt ins Unbekannte?

Simon: Ich komme vom Land, da sind zehn Kilometer Autofahrt eine Weltreise! Wir hatten nie geplant, Österreich zu verlassen. Doch Gott begann, zu uns zu sprechen. Wir waren damals Pastoren einer Gemeinde, als Gott uns über mehrere Monate eine Last für die verstossenen Frauen und Kinder in Kamerun aufs Herz legte. Als langjährige Coaches und Sozialarbeiter wurde uns klar, dass Gott unsere Erfahrungen auch in Saras Herkunftsland, in Kamerun, gebrauchen möchte.

Welche Herausforderungen gab es vor diesem Schritt?

Ich bin als Baby mit einer schweren körperlichen Behinderung zur Welt gekommen. Noch vor wenigen Jahren sah eine Übersiedelung nach Kamerun unmöglich aus. Doch schrittweise hat Gott mir Heilung geschenkt. Und er hat mich laufend mehr herausgefordert. Schliesslich habe ich Vertrauen gefasst, dass ich mit Gottes Hilfe vieles kann, was andere mir nicht zutrauen.

Nun unterstützt ihr in Kamerun Frauen in schwierigen Situationen. Warum braucht es ein Frauenhaus?

Sara: Gewalt in der Familie ist weitverbreitet. Es gibt nur wenige Strukturen, die Opfer auffangen. Darunter leiden speziell junge Frauen. In der afrikanischen Kultur hat der Mann eine besondere Stellung und betrachtet die Frau als sein Eigentum. Wenn er wütend ist, kann er sie schlagen. Er kann tun, was er möchte, sie sogar wegschicken.

Junge Frauen und sogar Teenager werden früh schwanger, weil sie nicht ausreichend aufgeklärt sind. Und viele Väter verstossen ihre Mädchen, wenn sie schwanger nach Hause laufen und schicken sie zurück zu ihrem gewalttätigen Partner. Wollen sie dort nicht bleiben, landen sie auf der Strasse oder – wenn sie keine Ausbildung haben – oft in der Prostitution. Hier möchten wir ihnen Hilfe und eine Alternative anbieten.

Was sind eure persönlichen Highlights im Kamerun? Worauf freut ihr euch?

Es sind die Menschen! Die Kameruner sind herzliche, hilfsbereite und dankbare Menschen. Sie nehmen es nicht als selbstverständlich, dass Leute von woanders kommen und sich für ihre Nöte interessieren. Ich spüre diese Dankbarkeit und Verwunderung: »Wow, Gott hat an uns gedacht!«

Simon und Sara, vielen Dank für diesen Einblick und alles Gute in Kamerun!

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