avc sibirien
03. Juli 2026

Quasi unauffindbar

SIBIRIEN
Dank außergewöhnlicher Maßnahmen hören isolierte Volksgruppen die Botschaft von Jesus Christus.

Mit dem Motorschlitten fahren die Kinder zum Fischfang. Samuel*, ihr Vater, arbeitet als Apostel und Menschenfischer. In den 30 Jahren, seitdem er mit seiner Frau in die Tundra zog, hat das Ehepaar 24 Gemeinden gegründet. Allerdings liegen die Versammlungsstätten genauso verstreut wie die Tschuktschen, denen sie dienen – in einem Gebiet, das doppelt so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland.

Kompass statt Navi
Wohl an die 50000 Tschuktschen leben in der Tundra, viele von ihnen derart abseits, dass Außenstehende keine Chance hätten, ihre Aufenthaltsorte zu finden. Aber im Winter 2024 trafen Mitarbeiter von AVC einen einheimischen Tschuktschen, der sich auf den endlos scheinenden Schneeflächen auskannte. Ob er das Team zu den Renntierzüchtern führen solle, wollte er wissen. Das Angebot brauchte der Mann kein weiteres Mal wiederholen. Für diese schier unmögliche Suchaktion war der neue Kollege lediglich mit Kompass und Erfahrungswerten gerüstet. Trotzdem war er zuversichtlich, die Nomaden antreffen zu können. In ermüdend langsamem Tempo waren die hunderten Kilometer erst nach einer durchgefahrenen Nacht bewältigt. Am folgenden Tag erblickten die Reisenden zunächst eine große Herde Renntiere, bald auch ihre Halter. Nicht nur die Sonne erstrahlte an diesem Wintertag, denn sowohl die Gesuchten als auch die Suchenden freuten sich über dieses seltene Ereignis. Allerdings blieb die Begegnung nur von kurzer Dauer, denn nach einem herzlichen Austausch mussten die Evangelisten fortziehen. Weitere Gastgeber warteten bereits.

Beten statt shoppen
Bereits im März dieses Jahres, nur zwei Jahre nach der Erstbegegnung in der Einsamkeit, folgte ein unerwartetes Wiedersehen. Wieder waren AVC-Mitarbeiter in der Tundra unterwegs. Mit einer Gemeinde nördlich des Polarkreises wollten sie Gottesdienst feiern. Diese öffentliche Veranstaltung machte der Gemeindeleiter im Dorf bekannt und traf die Renntierzüchter, 400 Kilometer von den Herden entfernt! Die Nomaden befanden sich gerade auf Einkaufs- und Versorgungstour und nutzten gleich die Chance, die Bekanntschaft aus dem vorletzten Jahr zu vertiefen. So kamen zwanzig von ihnen zum Gottesdienst – und sechs trafen die Entscheidung, Jesus nachzufolgen. Umso dankbarer sind nun alle Beteiligten über den Einsatz des Menschenfischers Samuel, der diese Glaubensgeschwister mit einem neuen Gemeindedienst begleiten kann.

Milde statt Winterstürme
Drei Tage nach dieser Begegnung endete laut Kalender der Winter, und eine Woche später die Reise. Unmittelbar vor Anbruch der diesjährigen Tundrafahrt lag in Moskau der Schnee so hoch wie seit mehr als 100 Jahren nicht mehr. Auch im fernen Osten war die Kälte mit minus 60 Grad ungewöhnlich. Aber nur bis das AVC-Team eintraf. Zum ersten Mal seit dreißig Jahren verlief die Fahrt durch die sibirische Tundra bei dauerhaft moderaten Temperaturen, die nicht einmal minus 40 Grad erreichten. Zum ersten Mal blieb sie komplett von Schneestürmen verschont. Und zum ersten Mal fuhren die beiden Fahrzeuge ohne Panne. Aber die jährlich wiederkehrenden Strapazen hinterlassen Spuren an Mensch und Material. Doch die Mühe lohnt sich, denn sowohl die Zahl der Christen als auch die der Gemeinden nimmt zu. Um nun mehr von ihnen besuchen zu können, sollen künftige Winterreisen von zwei auf drei Monate verlängert werden.

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