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News KW 43 MarokkoSambia: Den Tod in Schach halten
»Menschen starben reihenweise und irgendwann hatte ich es gründlich satt, täglich Leute zu beerdigen«, erzählt Helmut.

Esther und Helmut Reutter engagieren sich seit 1982 mit Herzblut in Sambia. 1989 gründeten sie ihre erste mobile Klinik, mit der sie medizinisch unterversorgte Regionen erreichten. Nach der Verbreitung des HI-Virus in den 1990er-Jahren verlagerte die mobile Klinik ihren Fokus auf die Betreuung von AIDS-Infizierten. Neben drei stationären Kliniken, in denen insgesamt 50 000 Patienten betreut werden, sind vier mobile Einsatzteams unterwegs, die regelmäßig 50 Stationen anfahren. Täglich werden mehr als 1000 Aids-Patienten mit lebenserhaltenden Medikamenten versorgt. Und das ist nicht alles: In sogenannten »Community Health Posts« finden Dorfbewohner sich zur Blutabnahme ein und erhalten Medikamente. Außerdem werden sämtliche Heilmittel kostenlos abgegeben, denn die meisten könnten sich die Behandlung gar nicht leisten. Wir haben Esther und Helmut Reutter über ihre Arbeit interviewt.

Wie seid ihr als Missionare zu Klinikbetreibern geworden?
Helmut: Die Leute in Sambia bekamen mit, dass Esther gelernte Krankenschwester ist, deshalb baten viele um Hilfe und medizinischen Rat. Nicht selten ist sie als Hebamme eingesprungen. Diese Einsätze öffneten uns die Augen für die verzweifelte Situation derer, die weitgehend ohne medizinische Versorgung auskommen müssen. Deshalb gründeten wir 1989 unsere erste mobile Klinik, mit der wir medizinisch unterversorgte Regionen erreichten.

Blieb es bei der mobilen Klinik?
Helmut: Nein, die katastrophale Lage erforderte viel mehr Kapazität, als uns durch eine einzige mobile Klinik zur Verfügung stand. Denn in den 1990er-Jahren breitete sich das HI-Virus in Afrika stark aus. Menschen starben reihenweise. Irgendwann hatte ich es gründlich satt, täglich Leute zu beerdigen. So gründeten wir die »Chreso-Ministries«. Chrezo ist griechisch und heißt Not, und die grassierte hier in Sambia. Unsere mobile Klinik legte ihren Fokus nun auf die Betreuung von Aids-Infizierten. Anfangs erhielten wir kaum Unterstützung. Niemand wollte mit dieser Krankheit in Verbindung gebracht werden. Die Vorurteile gegenüber Aidskranken haben sich inzwischen abgebaut. Die Arbeit nahm Fahrt auf und heute haben wir drei Aids-Kliniken: in Lusaka, in Livingstone und in Kabwe.

Seid ihr von mobilen ganz auf stationäre Kliniken umgestiegen?
Esther: Im Gegenteil. Neben unseren drei stationären Kliniken, in denen wir insgesamt 50 000 Patienten betreuen, sind wir inzwischen schon mit vier mobilen Einsatzteams unterwegs, die regelmäßig 50 Stationen anfahren. Täglich werden mehr als 1000 Patienten mit lebenserhaltenden Medikamenten versorgt. Da wir die 50 Stationen nicht wöchentlich anfahren können, geben wir die Arzneien jeweils für mehrere Monate aus. Auch wenn wir überwiegend Aids-Patienten behandeln, steht unser Team auch anderen Hilfesuchenden zur Verfügung, etwa schwangeren Frauen und Kindern. Zudem haben wir einige »Community Health Posts« errichtet. Dies sind meist kleine, angemietete Räume, wo sich Dorfbewohner zur Blutabnahme einfinden und Medikamente erhalten. Verpassen »Stammkunden« mal einen Termin, um ihre Mittel abzuholen, dann fällt das auf, und ein Mitarbeiter sieht im Dorf nach den Patienten. Die regelmäßige Einnahme der Aids-Medikamente ist für der Erfolg der Behandlung äußerst wichtig. Dieses Nachgehen ist ein Grund, weshalb wir mit unserer Arbeit so erfolgreich sind. Außerdem geben wir sämtliche Heilmittel kostenlos ab. Die meisten könnten sich die Behandlung gar nicht leisten.

Was bewegt euch am meisten bei dieser Arbeit?
Esther: Menschen, die aussehen wie Skelette, mit einer Lebenserwartung von wenigen Monaten, werden durch die Therapie wieder aufgepäppelt und erhalten weitere Lebensjahre geschenkt. Das ist für uns eine absolute Freude und ein Ansporn. Ich gebe ein Beispiel: Asante* ist einer unserer Mitarbeiter. Er infizierte sich mit Aids. Aus Angst, gefeuert zu werden und dann als Aids-Infizierter keine Arbeit mehr zu finden, informierte er uns zunächst nicht. Schließlich fasste er sich ein Herz. Und nach seinem Bekenntnis stellte er hocherfreut fest, dass seine Angst unbegründet war. Er blieb Mitarbeiter und war gleichzeitig Patient. Er nimmt jetzt schon seit 19 Jahren Medikamente ein. Ohne die wäre er längst gestorben. Es geht ihm sehr gut, und darüber freuen wir uns sehr. Hinter all den Patientenzahlen stehen wertvolle Menschen.

Was sind die größten aktuellen Herausforderungen für euch?

Helmut: Unsere Aids-Kliniken wurden viele Jahre durch ein Stiftungsprogramm unterstützt, das demnächst ausläuft. Das wird ein beträchtliches finanzielles Loch in unser Budget reißen. 50 000 Patienten sind jedoch auf unsere Versorgung und die Medikamente angewiesen. Wir wollen und können sie nicht im Stich lassen. So hoffen und beten wir, dass Gott Herzen bewegt, um diese Arbeit weiter zu ermöglichen.


*Name geändert